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Research Center One Health Ruhr

Wie unsere Gewässer wieder gesund werden

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Wenn Arten aus Flüssen und Seen verschwinden – können sie eines Tages zurückkehren? Das fragt Prof. Dr. Sonja C. Jähnig. Sie erforscht am Research Center One Health Ruhr der Universitätsallianz Ruhr, wie sich geschädigte Süßwasserökosysteme erholen, ihre Artenvielfalt zurückgewinnen können und welche Bedeutung gesunde Gewässer für unser Wohlbefinden haben. Dr. Alexandra Nießen von der Pressestelle der Universität Duisburg-Essen führte ein Interview mit der neuberufenen Professorin für "Freshwater Ecosystem Health".

[Dr. Alexandra Nießen:] Wie würden Sie Ihre Forschung in wenigen Sätzen zusammenfassen?

[Prof. Dr. Sonja C. Jähnig:] Ich erforsche, wie sich Flüsse, Seen und andere Süßwasserökosysteme unter dem Einfluss des globalen Wandels verändern – und wie wir ihre biologische Vielfalt besser schützen und wiederherstellen können. Mich interessiert, was diese Veränderungen für uns Menschen bedeuten. Gesunde Gewässer liefern sauberes Wasser, schützen vor Hochwasser, bieten Nahrung und Erholungsräume und haben für viele Menschen eine große kulturelle und emotionale Bedeutung. Meine Forschung verbindet daher Biodiversitätsforschung mit Fragen der menschlichen Gesundheit und des gesellschaftlichen Wohlergehens.

Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Besonders wichtig ist mir, wie wir vom Dokumentieren des Biodiversitätsverlusts stärker zum Verstehen von Erholung kommen: Wo funktionieren Maßnahmen zur Renaturierung, wo nicht – und warum? Dabei interessieren mich etwa große Süßwassertiere (Störe, Lachse oder Biber), weil sie Ökosysteme stark prägen können, aber auch die Bedeutung von Land-Wasser-Schnittstellen und der Vernetzung von Flüssen und Auen.

Am Herzen liegt mir zudem die Beziehung zwischen Menschen und Gewässern. Wir betrachten Biodiversität oft vor allem naturwissenschaftlich. Arten und Gewässer sind für uns aber auch kulturell, emotional und gesundheitlich wichtig. Ich möchte verstehen, wie solche Beziehungen zum Schutz von Biodiversität beitragen können – und wie intakte und vielfältige Gewässer menschliches Wohlbefinden fördern.

Welche Pläne haben Sie an der Universität Duisburg-Essen und der Universitätsallianz Ruhr?

An der UDE möchte ich die Forschung zur Gesundheit des Ökosystems (‚Freshwater Ecosystem Health‘) aufbauen und drei Bereiche eng miteinander verbinden: die Dynamik von Veränderungen von Biodiversität, die Beiträge von Gewässerökosystemen für Menschen sowie die kulturellen und gesundheitlichen Dimensionen der Biodiversität.

Ein Beispiel: Ich werde untersuchen, wo Renaturierung besonders wirksam sein kann und welche Rolle die Schnittstellen zwischen Gewässern und Land spielen. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf großen Süßwasserarten und gebietsfremden Arten liegen. Parallel möchte ich die kulturelle Bedeutung von Süßwasserarten und -ökosystemen systematisch neu erfassen.

An der UDE und im RC One Health Ruhr der Universitätsallianz Ruhr kann ich dafür aus Gewässerökologie, Mikrobiologie, Ökotoxikologie und Neurowissenschaften verschiedene Kompetenzen zusammenführen. Zudem plane ich Kooperationen mit den Sozialwissenschaften, etwa zur Wahrnehmung von Biodiversität und zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Renaturierung.

Warum haben Sie sich für die UDE und die UA Ruhr entschieden?

Besonders überzeugt hat mich, hier ‚normale‘ Biodiversitäts- und Ökosystemforschung mit neuen Perspektiven auf menschliche Gesundheit und gesellschaftliches Wohlergehen verbinden zu können. Das RC One Health Ruhr bietet dafür ein ungewöhnlich interdisziplinäres Umfeld.

Zugleich besitzt die UDE eine sehr starke und breit aufgestellte Gewässerforschung – von Mikroorganismen über Ökotoxikologie, Biodiversität bis zur Betrachtung ganzer Flusseinzugsgebiete. Das ist für mich ideal: Viele der großen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nicht innerhalb einer einzelnen Disziplin lösen. Wenn wir verstehen wollen, was eine Flussrenaturierung erfolgreich macht, müssen wir nicht nur Arten und ökologische Prozesse betrachten, sondern auch Wasserqualität, Schadstoffe, menschliche Nutzung und letztlich die Menschen selbst.

Was sollten Ihre Studierenden über Sie wissen?

Ich versuche Lehre möglichst interaktiv zu gestalten – mit Diskussionen, eigenen Projekten, Datenanalysen und Exkursionen. Gerade in der Ökologie finde ich die Verbindung zwischen Theorie, Daten und der Beobachtung im Gelände besonders wichtig. Studierende sollen nicht nur Fakten lernen, sondern wissenschaftliches Denken und eigenständiges Arbeiten. Das sehe ich als hilfreich für alles, was auch immer nach dem Studium kommt. Dazu gehören für mich auch Fähigkeiten wie kritisches Denken, Datenanalyse, wissenschaftliche Kommunikation und Teamarbeit.

Zudem ermutige ich Studierende, Möglichkeiten zu nutzen, die sich ihnen bieten, wie Auslandsaufenthalte, Stipendien oder eigene Projekte. Davon habe ich selbst sehr profitiert.

Geprägt durch fast 13 Jahre in einem Leibniz-Institut, ist es mir wichtig, Forschung in die Praxis einzubringen. Bei mir sind das etwa internationale Biodiversitätsinitiativen und Naturschutzorganisationen – beim Schutz wandernder Süßwasserfische oder der Frage, wie Süßwasserbiodiversität stärker in internationale Biodiversitäts- und One-Health-Debatten integriert werden kann.

Zur Person: Sonja C. Jähnig

  • Seit Oktober 2026: Professorin für ‚Freshwater Ecosystem Health‘, UDE und Universitätsallianz Ruhr, RC One Health Ruhr
  • 2025-2026: komm. Leitung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Berlin
  • 2022-2026: Abteilungsleiterin der Abteilung Ökologie der Lebensgemeinschaften und Ökosysteme, IGB
  • 2020-2026: Professorin für ‚Aquatische Ökogeographie‘, Humboldt-Universität zu Berlin
  • 2014-2026: Arbeitsgruppenleiterin, IGB
  • 2010-2013: Nachwuchsgruppenleiterin, Biodiversität und Klimaforschungszentrum (BiK‐F), Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt am Main
  • 2009: Postdoc, Abt. Fließgewässerökologie und Naturschutzforschung, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
  • 2008: Postdoc, Institute of Hydrobiology, Chinese Academy of Sciences, Wuhan (China)
    Young Scientists Award‘ des Zentrums für Wasser- und Umweltforschung (ZWU) der UDE
  • 2007: Promotion an der UDE, Abteilung Angewandte Zoologie, Hydrobiologie
  • 2001-2003: DAAD Scholarship ‚Language & Professional Experience in China‘
  • 2001: Diplom in Umweltwissenschaften, UDE