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Gemeinsam fördern

MERCUR

MERCUR ist die hochschulübergreifende Fördereinrichtung der Universitätsallianz Ruhr.

Feministische Zines und globale DIY-Kulturen

Aushandlungen sexualisierter Gewalt zwischen Protest- und Massenkultur

© Marlene Sandner

Wie eignen sich feministische Zines Wissen über Frauengesundheit und sexualisierte Gewalt an? Und was verändert sich, wenn gegenkulturelle Formen der Selbstermächtigung Eingang in die digitale Massenkultur finden?

Seit den späten 1980er-Jahren sind feministische Zines wichtige Orte gegenkultureller Artikulation. Die selbstpublizierten und meist in kleinen Auflagen verbreiteten Hefte schaffen Räume für Erfahrungen und Wissen, die in etablierten Medien lange kaum sichtbar waren. Ihr DIY-Prinzip verbindet das eigene Publizieren mit feministischer Selbstermächtigung und schafft solidarische Gemeinschaften über nationale Grenzen hinweg.

Das gemeinsame Forschungsprojekt der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der Universität Duisburg-Essen (UDE) untersucht, wie feministische Zines sexualisierte Gewalt verhandeln und Wissen über Frauengesundheit weitergeben und neu deuten. Zwei miteinander verbundene Perspektiven zeigen, wie solche Formen des Wortergreifens zwischen Protestkultur und Mainstream zirkulieren.

© Marlene Sandner

Trauma, Healing und der Weg in die Massenkultur
Das erste Teilprojekt untersucht feministische Zines und Selbstpublikationen seit den späten 1980er-Jahren. Im Zentrum stehen Aushandlungen von Frauengesundheit und sexualisierter Gewalt, insbesondere Narrative von Trauma und Healing. Lesen und Schreiben werden dabei häufig als miteinander verbundene Bestandteile des Heilungsprozesses verstanden. Denn die literarische Verarbeitung traumatischer Erfahrungen eröffnet Handlungsmöglichkeiten und gibt Leser:innen zugleich Impulse zum eigenen Schreiben und Publizieren. Das Projekt verfolgt, wie sich diese Formen feministischen Wortergreifens im Übergang vom analogen zum digitalen Self-Publishing verändern. Dabei tritt eine grundlegende Ambivalenz der DIY-Kultur hervor: Was als gegenkulturelle Praxis der Selbstermächtigung begann, prägt heute auch populäre und kommerzielle Formen des Publizierens.

Die Hexe: Wissen, Verfolgung und Selbstermächtigung
Das zweite Teilprojekt richtet den Blick auf feministische Zines in Lateinamerika und ihre Auseinandersetzung mit Hexenverfolgung. Auch hier stehen Frauengesundheit und sexualisierte Gewalt im Zentrum. Als feministische Identifikationsfigur steht die Hexe für die Wiederaneignung des Wissens über Frauengesundheit und Reproduktion, das historisch Gegenstand von Kontrolle und Verfolgung war. Sie verbindet Fragen reproduktiver Selbstbestimmung mit der Aneignung von Wissen über den eigenen Körper. Motive wie Kräuterkunde oder Rituale können in den Zines zu Praktiken der Selbstsorge und Selbstverteidigung werden. Untersucht wird, wie diese Selbstrepräsentationen mit kolonialen und postkolonialen Macht- und Rechtsstrukturen brechen oder sich an ihnen abarbeiten.

Internationale Kooperation und Transfer
Die MERCUR-Förderung ermöglicht internationale Archivreisen und bringt Forschende der UA Ruhr mit internationalen Expert*innen zusammen. Aus der Kooperation sollen eine englischsprachige Publikation und ein gemeinsames DFG-Folgeprojekt hervorgehen. Wandernde Zine-Bibliotheken und eine Ausstellung öffnen die Forschung zugleich für eine breitere Öffentlichkeit.


Kontakt

Dr. Dorothea Walzer

Tel.: +49 234 3228089
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Dr. Elena von Ohlen

Tel.: +49 201 1837256
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