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Zum Wintersemester 2019/20 startet ein neuer gemeinsamer Studiengang der TU Dortmund, der Ruhr-Universität Bochum und der Universität Duisburg-Essen: Der viersemestrige englischsprachige Masterstudiengang „Econometrics“ bringt Wirtschaftswissenschaften, Mathematik und Statistik zusammen. Interessierte können sich bis 4. Oktober einschreiben.

Das neue Angebot richtet sich an Studierende mit hervorragenden Englischkenntnissen, die einen Bachelorabschluss in Mathematik, Statistik oder Wirtschaftswissenschaften haben – und bereits einige Vorerfahrung in den jeweils anderen Disziplinen mitbringen. „Denn genau diese drei Disziplinen bringt die Ökonometrie zusammen“, sagt Prof. Carsten Jentsch, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der TU Dortmund. Das bedeutet: Die Studierenden erlernen im neuen Masterstudiengang statistische Verfahren, wofür sie mathematische Grundlagen brauchen. Die Verfahren wenden sie dann auf ökonomische Daten an. Dazu erlernen sie in Kursangeboten aus der Statistik und Informatik die effiziente Handhabung großer Datenmengen. Ziel ist es schließlich, ökonomisch relevante Fragestellungen zu beantworten und wirtschaftliche Zusammenhänge zu analysieren und zu bewerten. Fachkräfte mit diesen Fähigkeiten seien sowohl in der Politikberatung als auch in der Privatwirtschaft gefragt, sagt Prof. Jentsch. Auch in der Wissenschaft bieten sich Optionen: Die Ökonometrie ist innovatives Forschungsfeld und wachsendes Lehrgebiet.



Die wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten der UA Ruhr-Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen sowie die Fakultät Statistik der TU Dortmund bieten den neuen Masterstudiengang ab dem Wintersemester 2019/20 an. Er ist der erste Studiengang, der von allen drei Universitäten im Ruhrgebiet durchgeführt wird. Koordinierte Stundenpläne ermöglichen ein effizientes standortübergreifendes Studium.

Die Konzeption und Einrichtung des neuen universitätsübergreifenden Masterstudiengangs wird vom Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) gefördert.

Weitere Informationen zum Studiengang und zu den Zulassungsvoraussetzungen: www.econometrics.ruhr

Ansprechpartner:
Prof. Carsten Jentsch
Technische Universität Dortmund, Fakultät Statistik, Wirtschafts- und Sozialstatistik
Tel.: +49 231-755 3869
jentsch@statistik.tu-dortmund.de  

Prof. Christoph Hanck
Universität Duisburg-Essen, Lehrstuhl für Ökonometrie
Tel.: +49 201 18-32263
christoph.hanck@vwl.uni-due.de

Prof. Christoph M. Schmidt
Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und angewandte Ökonometrie
Präsident am RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
Telefon: +49 201 8149-228
Schmidt@rwi-essen.de

Bildnachweis: Avemario

Der Koordinierungsrat der Universitätsallianz Ruhr hat entschieden, ein neues Kompetenzfeld „Energie – System – Transformation“ (EST) einzurichten: Mehr als 70 Professorinnen und Professoren sowie Doktorandinnen und Doktoranden der Technischen Universität (TU) Dortmund, der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der Universität Duisburg-Essen (UDE) werden zunächst für fünf Jahre zusammenarbeiten, um die Energiewende voranzubringen. Sprecher ist Prof. Christian Rehtanz, Leiter des Instituts für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft an der TU Dortmund.

„Im Kompetenzfeld EST wird interdisziplinär geforscht und gelehrt“, sagt Prof. Rehtanz. „Die Energiewende soll durch ausgewählte neue Technologien der Energiewandlung, Übertragung und effizienten Energieanwendung ganzheitlich vorangebracht werden.“ Dabei muss der Prozess der Transformation der Energielandschaft gesellschaftlich bewältigbar, akzeptabel, wirtschaftlich sinnvoll und juristisch abgesichert ausgestaltet werden. Daher finden sich in dem Kompetenzfeld unterschiedliche Akteure wieder: Fachleute aus naturwissenschaftlichen, technischen, juristischen, raumplanerischen, wirtschaftswissenschaftlichen und soziologischen Disziplinen arbeiten zusammen. „Das Besondere ist, dass wir an der UA Ruhr über Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf diesen doch sehr unterschiedlichen Gebieten verfügen. Sie alle werden auf dem wichtigen Feld der Energiewende zusammenarbeiten“, sagt Prof. Rehtanz. Ziel der Forschung und Lehre im Kompetenzfeld ist es, dass die vereinbarten europäischen und globalen Ziele des Klimaschutzes in den nächsten Dekaden erreicht werden.

Im Kompetenzfeld stehen die vier Hauptdimensionen Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz durch die Menschen im Vordergrund. Daraus folgt die Notwendigkeit einer systemorientierten Betrachtung, die von grundlegend neuen Technologien und deren Anwendung über wirtschaftliche und juristische Fragen bis hin zur akzeptablen Umsetzung in Raum und Gesellschaft führt.





Zu den Koordinatorinnen und Koordinatoren von EST gehört neben Prof. Rehtanz an der TU Dortmund Prof. Klaus Joachim Grigoleit von der Fakultät Raumplanung. Von der UDE sind Prof. Jutta Geldermann und Prof. Klaus Görner, beide von der Fakultät für Ingenieurwissenschaften, und Prof. Christoph Weber von der Fakultät Wirtschaftswissenschaften beteiligt. Prof. Johann-Christian Pielow und Dipl. jur. Katrin Schlegel, beide Institut für Berg- und Energierecht, sowie Prof. Roland Span von der Fakultät Maschinenbau, koordinieren auf Seiten der RUB.

Ins Kompetenzfeld einbezogen sind auch das Fraunhofer-Institut UMSICHT, Oberhausen, das Fraunhofer-Institut IML, Dortmund, das GWI - Gas- und Wärme-Institut Essen e.V., das ZBT - Zentrum für BrennstoffzellenTechnik GmbH und das IUTA - Institut für Energie- und Umwelttechnik e.V., beide in der Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft in Duisburg, sowie das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Essen.

Im Rahmen von EST findet zudem eine intensive Zusammenarbeit mit einschlägigen Industriepartnern der Region statt, die teilweise zu den branchengrößten in Deutschland und Europa gehören. Die Ergebnisse werden durch vielfältige internationale Kooperationen beispielsweise mit Südamerika, China, Russland und Australien in die internationale Wissenschaftslandschaft eingebunden, sodass Lösungen entstehen, die der globalen Relevanz des Themas entsprechen.

Ansprechpartner:
Prof. Christian Rehtanz
Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik
Tel.: 0231 – 755 2396
E-Mail: christian.rehtanz@tu-dortmund.de


Eine Jury prämierte die besten Projekte des transatlantischen Wettbewerbs der UA Ruhr New York. Zu den Hauptpreisen zählen Reisen in die USA und nach Deutschland.

Eine Jury aus unabhängigen Expertinnen und Experten aus den USA und Deutschland wählte die besten Projekte aus, die für den Wettbewerb des Projekts The Future of My City eingereicht worden waren. Aufgerufen waren Studierende aus dem Ruhrgebiet sowie dem Rust Belt der Vereinigten Staaten, innovative Lösungen für die urbane, wirtschaftliche und sozio-kulturelle Umgestaltung ihrer Regionen zu entwickeln. Deutsche, amerikanische sowie transatlantische Teams reichten 20 Projekte ein, aus denen die siebenköpfige internationale Jury unter Vorsitz von Donald Carter, Städteforscher aus Pittsburgh und Direktor des dortigen Rethinking Cities Instituts, eine Auswahl treffen musste. Und das fiel nicht leicht.

Dank der exzellenten Einsendungen entschloss sich die Jury, gleich zwei Projekte für den ersten Platz zu nominieren. Ein erster Preis ging an Gautam Jagdish Thakkar, der an der Carnegie Mellon University studiert und am Beispiel des Pittsburgher Stadteils Wilkinsburg aufzeigt, wie Leerflächen breiten Bevölkerungsschichten zur Verfügung gestellt werden und zur Revitalisierung eines stark vom industriellen Niedergang gezeichneten Gebiets genutzt werden können.

Der andere erste Platz wurde einer transatlantischen Gruppe zugesprochen. Ihr Projekt wirft einen interkulturellen Blick auf Dortmund und St. Louis und analysiert, in welchem Maße Gentrifizierungsprozesse als solche wahrgenommen werden, auch wenn es sich in Wirklichkeit um zuweilen ganz andere soziale und städtebauliche Entwicklungen handelt. Die Studie stellt außerdem Empfehlungen vor, wie dieser Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität zu begegnen ist. Beteiligt waren an diesem Projekt Studierende der TU Dortmund sowie der University of Missouri und der Washington University, beide in St. Louis. Von deutscher Seite aus nahmen teil Kristina Ehrhorn, Verena Gerwinat, Annika Guhl, Tanja Schnittfinke und Carsten Urban. Von amerikanischer Seite waren es Adam Brown, Liz Deichmann, Elizabeth Gerard, Sydney Gosik, Mark Kasen, Jodie Lloyd, Julia Spoerry, Nathan Theus und Chancelor Thomas. Betreut wurde die Arbeit von Susanne Frank, Todd Swanstrom und Sabine Weck. Beide Teams werden mit Reisen in die USA und ins Ruhrgebiet ausgezeichnet.


Auf Platz zwei kam ein Team der Universität Duisburg-Essen, das unter dem Titel #essensteigtauf untersucht, wie Essen zur fahrradfreundlichen Stadt werden kann. Unter der Betreuung von Klaus Krumme beteiligten sich die folgenden Studierenden an diesem Projekt: Sylvia Birrong, Carsten Brüderle, Klara van Eickels, Ahmed Fakhrul, Philipp Göpfert, Allieu Badarr Koroma, Mariana Sarnicola Pires Holanda Macedo, Bianca Martini, Francis Ndubuisu Okoh, Nora Schramm und Marleen Wilhelm. Für diese Preisträger wird im Oktober ein Networking Dinner organisiert.

Als drittbester Beitrag wurde mit C.Space ein Projekt ausgezeichnet, das durch die Verbindung eines Community Center mit einem Co-Workings Space erweiterte Bildungszugänge schaffen will, und zwar besonders für die Gruppe der über 45-Jährigen, deren Arbeitssituation am stärksten vom Strukturwandel betroffen ist. Eingereicht wurde das Projekt von Oanh Nguyen und Laura Hering, beide von der TU Dortmund. Der dritte Preis ist eine Einladung zu einer Veranstaltung, auf der das Projekt vor Entscheidungsträgerinnen und -trägern präsentiert werden kann.

Die Jury würdigte ebenso vier weitere Projekte, die sich durch ihre besonders kreativen Herangehensweisen auszeichneten: „(Re-)Brandings, Narratives and Scripts for the Future of the Ruhr Area and the Rust Belt“, ein Gemeinschaftsprojekt der University of Cincinnati und der Universität Duisburg-Essen; „Nordstadt Café“, ein Theaterprojekt der TU Dortmund; „Mill Creek Trail Plan“ von einem Team an der University of Cincinnati sowie „Water Marks, Micro-Urban Hydrophilic Spaces for Water Advocacy and Awareness in Pittsburgh“, das Projekt eines Studierenden der Carnegie Mellon University in Pittsburgh.

Der siebenköpfigen Jury gehörten an Juliane Camfield (Direktorin, Deutsches Haus an der New York University), Raymond Gindroz (Architekt, Urban Design Associates, Pittsburgh), Prof. Dr. Stefan Gruber (Professor, Carnegie Mellon University), Prof. Dr. Christian Martin (Max Weber Chair in German and European Studies, New York University und Universität Kiel), Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender, Emschergenossenschaft und Lippeverband), Prof. Dr. Ioanna Theocharopoulou (Professorin, The New School), Dr. Larry Witzling (Stadtplanungsbüro GRAEF USA).

Das Projekt The Future of My City wurde von dem New Yorker Verbindungsbüro der UA Ruhr in Kooperation mit der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer New York entwickelt und läuft im Rahmen des Deutschlandjahrs, einer Initiative des Auswärtigen Amtes zur Förderung der transatlantischen Beziehungen. Das Ziel des Projektes ist der interkulturelle Austausch der Studierenden beider Regionen sowie die Entwicklung neuer Ideen zur Lösung gemeinsamer Herausforderungen. Studierende und Expert/-innen werden eingeladen, innovative Lösungen zu urbanen, wirtschaftlichen und sozio-kulturellen Herausforderungen in ihren Regionen zu entwickeln.

Gefördert wird das Projekt vom Auswärtigen Amt, dem Goethe-Institut und dem Bundesverband Deutscher Industrie.

Kontakt:
Peter Rosenbaum
Executive Director
University Alliance Ruhr, New York Office
871 United Nations Plaza
New York, NY 10017
USA
Tel.: +1 (212) 758-3384
rosenbaum@uaruhr.org

Projektwebseite: www.thefutureofmycity.org 

Wissenschaftler der TU Dortmund, Ruhr-Universität Bochum und Universität Duisburg-Essen platzieren absichtlich Fehlstellen in hochreinen Diamanten und untersuchen diese. Damit schaffen sie Grundlagen für Quantencomputertechnik und winzige Sensoren. Die Ergebnisse wurden nun im renommierten Fachmagazin „Physical Review Materials“ veröffentlicht.

„Diamonds are a girl’s best friend“: Die wertvollen Edelsteine sind in Ringen oder Ohrsteckern äußerst beliebt. Doch auch für die Wissenschaft sind die Kristalle von Interesse, wenngleich diese Diamanten den geschliffenen Schmucksteinen wenig ähneln. Ein Team von Physikern der TU Dortmund, Ruhr-Universität Bochum und Universität Duisburg-Essen platziert kleine Verunreinigungen in den Kristallstrukturen und untersucht, wie diese in Quantencomputern oder als mikroskopisch kleine Sensoren verwendet werden können. Ihre Ergebnisse wurden nun in der „Physical Review Materials“ vorgestellt, einer der angesehensten Fachzeitschriften in der Physik.

Das atomare Gitter, aus dem ein Diamant besteht, ist gar nicht so perfekt, wie man es erwarten würde. Oft sind Verunreinigungen und Fehler in der Struktur zu finden. Gerade diese Fehler sind für eine Forschungsgruppe der UA Ruhr interessant, und zwar eine bestimmte Art, nämlich die sogenannten NV-Zentren. Dabei steht das N für Stickstoff und das V für „vacancy“, also „Leerstelle“. NV-Zentren gibt es auch in der Natur. Man kann sie jedoch auch künstlich erzeugen, indem ein Stickstoffatom in ein Diamant-Kristallgitter geschossen wird, das üblicherweise aus Kohlenstoff besteht. Dadurch werden zwei Kohlenstoffatome herausgestoßen, das Stickstoffatom setzt sich an eine Stelle, die Nachbarstelle bleibt leer.

Die Forschung ist ein vom Mercator Research Center Ruhr (MERCUR) gefördertes Kooperationsprojekt der drei Universitäten der Universitätsallianz Ruhr: Die Kollegen rund um Prof. Volker Buck und Dr. Nicolas Wöhrl an der Universität Duisburg-Essen stellen die Diamanten her, indem sie ein ionisiertes Molekülgemisch auf einem Substrat abscheiden. Auf dieser Unterlage wächst der Diamant also Schicht um Schicht. Die Forscher haben dabei gelernt, wie die Diamantschichten am besten aufgebaut werden und welche Wachstumsparameter dafür optimal sind.



Dann gehen die Diamanten an die Ruhr-Universität Bochum. Dort haben die Wissenschaftler unter Leitung von Prof. Köhler herausgefunden, wie sie die Stickstoff-Ionen am besten in die Kristalle schießen, um die NV-Zentren zu kreieren. Das hat zu Beginn Probleme gegeben, weil ein Diamant ein sehr schlechter elektrischer Leiter ist.

Anschließend werden die Kristalle an der TU Dortmund untersucht. Die Forscher um Tanmoy Chakraborty, Fabian Lehmann und Jingfu Zhang aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dieter Suter haben dafür mehrere Experimente aufgebaut, mit denen sie die Kristalle sehr gezielt untersuchen können. So können sie erkennen, ob sich an der gewünschten Stelle ein NV-Zentrum mit Elektron, ohne Elektron oder etwas ganz anderes befindet.

Die Ergebnisse können zur weiteren Erforschung der NV-Zentren verwendet werden und damit die Entwicklung von Quantencomputern voranbringen.  Denn jedes NV-Zentrum enthält einen oder mehrere Spins, die man verwenden kann, um Quanteninformation zu speichern. Bei einer klassischen Festplatte sind Spins in die eine oder andere Richtung orientiert. Der Zustand 0 würde zum Beispiel dafür stehen, dass der Spin nach oben zeigt. 1 heißt dementsprechend, dass der Spin nach unten weist. Der Unterschied zu einem klassischen Rechner ist, dass ein Quantencomputer, der z.B. mit diesen NV-Zentren arbeiten würde, nicht nur den Zustand „0“ oder „1“ haben kann, sondern auch einen so genannten Überlagerungszustand. Der Spin kann also sowohl im Zustand 0 als auch im Zustand 1 sein. Das erlaubt einem, Rechnungen mit beiden Anfangszuständen gleichzeitig durchzuführen. Bei 1000 Bits lassen sich dann 21000 Rechnungen durchführen – was enorm viel ist.

Gleichzeitig können auf Basis von NV-Zentren winzig kleine Sensoren entwickelt werden. Beispielsweise wird daran geforscht, sehr kleine Diamanten in Zellen einzuschleusen und damit im Inneren der Zellen die Temperatur zu messen.


Veröffentlichung:
T. Chakraborty, F. Lehmann, J. Zhang, S. Borgsdorf, N. Wöhrl, R. Remfort, V. Buck, U. Köhler, and D. Suter: CVD growth of ultrapure diamond, generation of NV centers by ion implantation, and their spectroscopic characterization for quantum technological applications. Phys. Rev. Materials 3, 065205.
 

Bild:
Die Wissenschaftler an der TU Dortmund haben ein neues Experiment aufgebaut, mit dem sie Fehlstellen in Diamanten untersuchen können.

Bildnachweis: TU Dortmund/Nikolas Golsch


Ansprechpartner für Rückfragen:
Prof. Dieter Suter
Fakultät Physik
Tel. 0231- 755 3512
E-Mail: dieter.suter@tu-dortmund.de

Tagung in Dortmund: „Zwischen Anerkennung und Ausgrenzung – Emscher-Quartiere im Wandel". Hochrangige ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis setzen sich mit dem Wandel von Siedlungsstrukturen und Lebenswelten auseinander.

Seit 2017 begleitet das Kompetenzfeld Metropolenforschung (KoMet) der Universitätsallianz Ruhr im Rahmen einer Forschungskooperation den Emscher-Umbau als größtes Infrastrukturprojekt Europas für die Region. Nach bereits zwei erfolgreichen Tagungen zu den Themen Gesundheit und Governance widmeten sich das KoMet und die Emschergenossenschaft am Montag im Lensing-Carrée Conference Center (LCC) in Dortmund der Entwicklung von Quartieren im Emscher-Gebiet.

„Unser Emscher-Umbau ist mehr als ein abwassertechnisches Projekt. Die Renaturierung der Emscher ist zugleich Motor der städtebaulichen Entwicklung im Revier – mit internationaler Strahlkraft. Diese Chancen müssen wir aber als Region, Städte, Emschergenossenschaft und viele weitere Partner noch viel stärker nutzen“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. „Denn die Emscher-Quartiere gehören zu den benachteiligten Quartieren im Revier – und das muss sich ändern. Mit der Tagung wollen wir beleuchten, welche positiven Integrations- und negativen Ausgrenzungseffekte in den Emscher-Quartieren stattfinden – und mit welchen Maßnahmen wir Quartiere und Menschen stärken können.“

Vor diesem Hintergrund diskutierten über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktuelle soziale und politische Herausforderungen in der Emscher-Region mit Akteuren aus Wissenschaft und Praxis.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau eröffnete die Tagung und wies auf die positive Entwicklung des Emscher-Umbaus in Dortmund hin: „Am Phoenix See wie in Dortmund-Hörde insgesamt ist erlebbar, wie ein wasserwirtschaftliches Projekt positive Effekte für die Stadtentwicklung hat: neue Arbeitsplätze, mehr Wohnraum, touristische Angebote und ein verbessertes Image der Stadt.“

Prof. Wilhelm Heitmeyer von der Universität Bielefeld ist einer der renommiertesten deutschen Desintegrationsforscher und Begründer des Indexes zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, hielt die Eröffnungsrede – und forderte alle demokratischen Kräfte auf, sich entschieden für mehr Anerkennung in den Quartieren und gegen autoritäre Versuchungen zu stellen.

Prof. Dr. Susanne Frank von der TU Dortmund nahm auch gleich Bezug auf den Phoenix See: „Mit Blick auf das Phoenix-Projekt werden Diskussionen um Gentrifizierung in Dortmund seit Jahren geführt. Auch andernorts bereiten die möglichen Folgen des Emscher-Umbaus vielen Menschen Sorgen. Das Spannende ist nun: Empirisch sind in der Region – jedenfalls bislang – kaum Gentrifizierungsprozesse im klassischen Sinne zu erkennen!“

Der Umbau der Emscher bietet vielmehr die Chance, Quartiersentwicklung mitzugestalten. Prof. Paetzel sagt dazu: „Der Strukturwandel ist bei uns im Revier nicht abgeschlossen. Als aktiver Akteur in der Region werden wir als Emschergenossenschaft in Zukunft noch stärker daran mitwirken, die Mehrwerte des Emscher-Umbaus zu befördern, bspw. über städtebauliche Projekte wie am Wasserkreuz in Castrop-Rauxel/Recklinghausen, wo im Rahmen von Emscherland 2020 u.a. der Natur-und Wasser-Erlebnis-Park, das Brückenbauwerk „Sprung über die Emscher“ und die Emscher-Promenade realisiert werden. Hier werden neue Stadtquartiere entstehen.“
 


Positiver Beitrag für die Umwelt
Prof. Dr. Jens Gurr von der Universität Duisburg-Essen und Sprecher des Kompetenzfeldes Metropolenforschung der UA Ruhr verweist in diesem Zusammenhang auf die besondere Aktualität des Themas und betont: „Die Diskussionen des heutigen Tages zeigen die Chancen der Kooperation mit Akteuren aus der Praxis und die Notwendigkeit interdisziplinärer Arbeit in der Metropolenforschung – gerade bei einem so komplexen Thema wie dem Emscher-Umbau“.

„Durch die Verbesserung der Lebensqualität leistet der Emscher-Umbau einen positiven Beitrag zur Umweltgerechtigkeit in der Region“, erläuterte Prof. Dr. Jörg-Peter Schräpler von der Ruhr-Universität Bochum. Zugleich betont er aber auch, dass „die meisten Kinder in der Region in sozial benachteiligten Bezirken aufwachsen, in denen die Bildungschancen geringer sind als in sozio-ökonomisch konsolidierten Bezirken.“ Daher sei es wichtig, „dass das Ruhrgebiet und die Emscher-Region in Bezug auf das Qualifikationsangebot im Wettbewerb mit anderen Regionen nicht weiter zurückfällt“.

In der abschließenden Podiumsdiskussion zwischen Michael von der Mühlen (NRW-Staatssekretär a.D.), Prof. Dr. Reiner Staubach (HS Ostwestfalen-Lippe), Birgit Zoerner (Stadt Dortmund), Prof. Klaus Wermker (Kommunalberatung) und Prof. Dr. Jörg-Peter Schräpler (Ruhr-Universität Bochum) ging es um konkrete Fragen der Praxis: Wie kann städtische Sozialpolitik in Quartieren gelingen? Was können Stadtteilsozialarbeiter wie bewirken? Wie kann eine bessere Koordination der einzelnen politischen Ebenen gelingen?
 


Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das effizient Aufgaben für das Gemeinwohl mit modernen Managementmethoden nachhaltig erbringt und als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz.
Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft in enger Abstimmung mit der Stadt das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,38 Milliarden Euro investiert werden.


Kompetenzfeld Metropolenforschung
Das Kompetenzfeld Metropolenforschung ist mit mehr als 150 beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern das weltweit vernetzte Zentrum für inter- und transdisziplinäre Metropolenforschung der UA Ruhr. Seit Juni 2017 bündelt es die komplementären Kompetenzen der drei Partneruniversitäten Duisburg-Essen, Ruhr-Universität Bochum und TU Dortmund über alle Fachkulturen hinweg und fördert die Integration von Forschung und Lehre sowie die Vernetzung mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Partnern aus der Praxis.

 

Bildnachweis: Kirsten Neumann